
Obermayer-Awards 2026: US-amerikanische Auszeichnung geht an vier Personen und eine Initiative aus Deuschland
Mit den Obermayer Awards werden in diesem Jahr Daniel Burmann aus Markt Berolzheim, Sandra Butsch aus Au, Ellen Grünwald aus Eberswalde, Rainer Klemke aus Berlin sowie die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. aus Stuttgart ausgezeichnet.
Die Obermayer Awards würdigen Einzelpersonen und Organisationen in Deutschland, die entweder die jüdische Geschichte und Kultur in ihren Gemeinden bewahren, sich gegen die Verbreitung von Hass, Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus engagieren oder sich für die Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen einsetzen.
Die Obermayer Awards 2026 werden von der Obermayer Stiftung am 1. Februar 2026 im Jüdischen Museum Berlin verliehen. Die Preisverleihung wird auch in einem Livestream auf der Website von Widen the Circle übertragen.
„Unsere Familie freut sich sehr, die inspirierenden Preisträger dieses Jahres zu ehren. Sie leisten in ihren Gemeinden äußerst wichtige Arbeit, um die jüdische Kultur zu bewahren und zu feiern, unsere Geschichte wiederherzustellen und Antisemitismus sowie andere Formen von Vorurteilen zu bekämpfen“, sagt Dr. Judith Obermayer, die die Obermayer Awards gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann Dr. Arthur Obermayer ins Leben gerufen hat.
„In den USA und in Deutschland sehen sich Aktivist*innen, die sich für die Erinnerung einsetzen, zunehmend Einschüchterungen und politischem Druck ausgesetzt, weil sie auf der historischen Wahrheit bestehen. Mit diesen Auszeichnungen wollen wir ihren Mut würdigen und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine dastehen“, ergänzt Joel Obermayer, Gründer von Widen the Circle. Die Auszeichnungen werden in Zusammenarbeit mit der Familie Obermayer vergeben.
Die Preisträger*innen der Obermayer Awards 2026:
Daniel Burmann (Markt Berolzheim, Bayern) hat die Geschichte der jüdischen Gemeinde in seinem Heimatort akribisch rekonstruiert und in dem 600-seitigen Buch „Juden in Markt Berolzheim. Schicksal einer jüdischen Landgemeinde“ zusammengetragen. Er hat auch Kontakt zu Nachkommen der ehemaligen jüdischen Einwohner des Orts aufgenommen und enge Beziehungen zu ihnen aufgebaut. Kommen sie zu Besuch, so nimmt er sich viel Zeit, um ihnen zu zeigen, wo ihre Vorfahren gelebt und gearbeitet haben. Auf seine Initiative fanden zudem auch Treffen in Yad Vashem sowie in New York statt.
Sandra Butsch (Au, Baden-Württemberg) engagiert sich seit 1998 für die Bewahrung der Erinnerung an jüdische Opfer der Verfolgung und Mitglieder des Widerstands. Die Lehrerin motiviert junge Menschen, sich an Erinnerungsprojekten sowohl während der Schulzeit als auch in außerschulischen Aktivitäten zu beteiligen. Auch international setzt sich Sandra Butsch für die Vermittlung von Geschichte ein. Sie arbeitet mit internationalen Institutionen und Organisationen zusammen und kreiert verschiedene Projekte, so zum Beispiel Kooperationen mit Schulen aus und um Oradour, der Normandie und dem Elsass. Außerdem organisiert sie deutsch-israelische und deutsch-französische Austauschprogramme.
Ellen Grünwald (Eberswalde, Brandenburg) ist Initiatorin und treibende Kraft hinter einer Vielzahl von Erinnerungsprojekten in Eberswalde, einer Stadt, die für rechtsextreme Vorfälle bekannt ist. Bereits seit 2003 engagiert sie sich für die Erforschung und Bewahrung jüdischen Lebens in der Kreisstadt. Ihre jahrelange Forschungsarbeit hat zur Erstellung eines Gedenkbuchs für die lokale jüdische Gemeinde, zur Einrichtung einer Datenbank, die Generationen von jüdischen Einwohnern in Eberswalde dokumentiert, zur Verlegung von mehr als 60 Stolpersteinen, zur Gründung der lokalen Organisation „Al Tishkach – Spuren jüdischen Lebens in Eberswalde“ und zum Aufbau von Beziehungen zu Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen geführt.
Rainer E. Klemke (Berlin) setzte sich bereits als Referatsleiter in der Berliner Kulturverwaltung für den Wettbewerb für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ein und begleitete dessen Errichtung ebenso wie den zweiten Bau der Stiftung Topographie des Terrors. Rainer E. Klemke ist zudem seit Jahrzehnten ehrenamtlich in vielen Bereichen aktiv, um die Erinnerung an die Menschen, die in der NS-Zeit in Berlin verfolgt wurden, zu bewahren. Er hat durch die Initiierung der App „berlinHistory“ (und weiterer) dafür gesorgt, dass sich die deutsche Erinnerungskultur von physischen Denkmälern hin zur Online-Kommunikation weiterentwickelte. Diese kostenlose und preisgekrönte Plattform, die er seit 2019 inhaltlich betreut, trägt dazu bei, die Erinnerung an die während der Nazizeit in Berlin Verfolgten sowie andere Aspekte der Stadtgeschichte zu bewahren. Sie bietet historische Informationen über Berlin und Brandenburg – Texte, Fotos, Videos, Audioaufnahmen – zugeschnitten auf den aktuellen Standort des Nutzers. Fast alle Inhalte sind in zwei Sprachen verfügbar, Deutsch und Englisch.
Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. (Stuttgart, Baden-Württemberg): Das Hotel Silber war zwischen 1933 und 1945 Sitz der Gestapo-Zentrale für Württemberg und Hohenzollern. Als im Jahr 2008 bekannt wurde, dass das ehemalige Hotel abgerissen werden soll, gründete sich ein Aktionsbündnis der Organisationen aus dem Umfeld der Erinnerungsarbeit in Stuttgart, das die Erhaltung des Gebäudes als Lern- und Gedenkort, als „steinernen Zeugen“ der NS-Zeit im Stadtbild, forderte. 2018 konnte der Erinnerungsort eröffnet werden. Die Dauerausstellung im heutigen Erinnerungsort zeigt, wie sich die Polizei bereitwillig in den Dienst des nationalsozialistischen Regimes stellte, wie Polizeibeamte nach 1933 Karriere in der Gestapo machten, sich am Völkermord in ganz Europa beteiligten und mitunter ihre Karrieren nach dem Krieg unangefochten fortsetzen konnten. Heute ist das Hotel Silber ein Ort der Begegnung und der politisch-historischen Bildungsarbeit. Der Verein setzt sich im Hotel Silber als Programmpartner des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg für eine inklusive und multiperspektivische Erinnerungskultur und für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft ein.
Widen the Circle arbeitet mit Menschen, die zur Aufklärung der Geschichte von Unterdrückung und Diskriminierung beitragen und sich ausgehend von den Lehren aus dieser Geschichte für die Bekämpfung von Intoleranz und Vorurteilen in der heutigen Zeit einsetzen.
Neben den Obermayer Awards ist die Organisation in zwei weiteren Bereichen tätig: Das Widen-the-Circle-Netzwerk bietet eine Plattform für die Preisträger*innen der Obermayer Awards und in der Gedenkarbeit engagierte Menschen, um den Austausch über Ideen, Kompetenzen und neue Handlungsansätze zu unterstützen. Das Widen-the-Circle-Programm International Bridge Building bringt Menschen aus der praktischen Erinnerungsarbeit in den USA und Deutschland zusammen, um Ideen auszutauschen, Beziehungen aufzubauen und die weitere Arbeit zu stärken.
Berlin, den 13. Januar 2026
Die Obermayer Awards wurden im Jahr 2000 von Dr. Arthur S. Obermayer (1931-2016), einem vielfältig engagierten amerikanischen Unternehmer und Philanthropen, und seiner Frau Dr. Judith H. Obermayer ins Leben gerufen. Die Preise werden jedes Jahr von der Familie Obermayer in Zusammenarbeit mit Widen the Circle verliehen, die die Preise organisiert und verwaltet. Co-Sponsor ist das Leo Baeck Institut (New York). Unter WidentheCircle.org finden Sie Informationen über die Awards sowie Porträts zu den Preisträger*innen der Vorjahre.
Die gemeinnützige Organisation Widen the Circle unterstützt Erinnerungsaktivist*innen in Deutschland und den USA, die sich mit langjähriger Ungerechtigkeit aufgrund von Rassismus, Antisemitismus und Angriffen auf demokratische Werte auseinandersetzen. Die Organisation wurde 2019 von Joel Obermayer, Sohn von Arthur und Judith Obermayer, gegründet. Neben den Obermayer Awards ist Widen the Circle in zwei weiteren Bereichen aktiv: Das Netzwerk Widen the Circle bringt mehr als 400 Erinnerungsaktivist*innen in Deutschland zusammen, um Ideen, Fähigkeiten und neue Ansätze für Aktionen auszutauschen. Das internationale Stipendienprogramm von Widen the Circle unterstützt amerikanische und deutsche Erinnerungsaktivist*innen, indem es ihren Austausch untereinander fördert und sie dabei unterstützt, Kooperationen aufzubauen.